[Freitagsrezi] The Rising

Mein erster Postapokalypse-Roman. Ich bin beeindruckt.

Fälschlicherweise sage ich immer Endzeit und werde damit dem Anspruch von Felix A. Münter, der das Buch geschrieben hat, nicht gerecht. Denn The Rising spielt in einer Welt DANACH. Wonach, fragt ihr euch. Das bleibt schwammig. Man will sich nicht festlegen, vielleicht, weil es zu endgültig wäre, zu durchschaubar, zu einfach? Aus Autorensicht kann ich diese Entscheidung absolut nachvollziehen. Das Unbekannte jagt eben doch mehr Schrecken ein als das Böse mit Namen. Die ersten Zeilen von The Rising hätten aber meiner Meinung nach eher in einen Prolog außerhalb der Story gehört und nicht in die Story hinein, die schließlich oft genug Gelegenheit findet, aufzuzeigen, dass die Protagonisten nicht wissen, was geschehen ist, dass die Welt, in der sie leben, so geworden ist, wie sie eben nun mal ist.

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Was ich aber aus verlässlicher Quelle – nämlich von Felix selbst – weiß: Es wird ein weiteres Buch im nächsten Jahr geben, das eben diese Katastrophe beleuchtet. Wem The Rising also gefällt und wer mehr wissen will, muss nur noch ein halbes Jahr warten ;)

Teil 1: Neue Hoffnung

Der Leser landet also, wie gesagt, direkt in der Erklärung, dass er sich in der Welt DANACH befindet.  Konkret reist er gemeinsam mit Eris und seinen Freunden durch diese Welt. Anfangs etwas unvermittelt, beginnt die außergewöhnliche Story mit einem für die Charaktere alltäglichen Ereignis: Sie verdingen sich als Söldner und überfallen eine Karawane mit Handelsgütern. Denn die Welt danach ist rau und unfair und es wird alles mit Wert gegen Dienstleistungen, Informationen und Essen eingetauscht. Ziemlich dystopisch also.

Um das Diebesgut entspannt sich in der Folge eine viel weitreichendere Geschichte als vermutet, die bald neben der Gruppe um Eris zwei weitere Gruppen, zwei Städte und eine Forschungseinrichtung betrifft. Richtig gut gelungen sind die einzelnen Kapitel, die jeweils bei den einzelnen Gruppen bleiben und deren Erlebnisse geschickt miteinander verflechten. Daran denkt man anfangs gar nicht unbedingt. Es steckt eine logistische  Gedankenleistung dahinter, all diese Fäden zu halten und so gekonnt zusammen zu führen.

Dabei wird immer mehr klar, wie brutal und unliebsam die Welt DANACH ist. Man lernt die Charaktere besser kennen, darf ihre Gedanken und Ängste mitbekommen.

Ich bin beeindruckt von der wörtlichen Rede. Das ist immer sehr schwer und wirkt schnell gestelzt. Die Charaktere sind authentisch und mehr als einmal habe ich beim Lesen das Gefühl gehabt, den einen oder anderen Charakterzug eines Bekannten wiedererkannt zu haben. Aber geschickt gemacht. Ich bin überrascht von den vielen weiblichen Figuren – die kommen ja bei männlichen Autoren oft etwas zu kurz.

Obwohl man den Büchern sprachlich den männlichen Autor anmerkt, war ich ein bisschen verwundert, wie häufig explizit weibliche Nebenrollen auftauchen. Sie bleiben allerdings recht farblos. Und die weibliche Hauptfigur ist unsympathisch – zumindest für weibliche Leser. Vielleicht stellt sie für männliche Leser einen besonderen Reiz in dieser männerdominierten Geschichte dar? Das kann mir wahrscheinlich nur ein Mann beantworten.

The Rising: Neue Hoffnung endet mit einem fiesen Cliffhanger mitten in der Story. Ich finde, die Geschichte hätte nicht in zwei Bücher aufgeteilt werden müssen. Mit Teil 1 war ich schnell durch und hätte diese künstliche Unterbrechung nicht gebraucht.  Ich weiß aber jetzt, woran das liegt: Viele kaufen keinen 700-Seiten-Wälzer eines unbekannten Autors. Deshalb teilt man solche Romane in kürzeres Lesevergnügen, das, sollte es enttäuschen, nicht zu viel Lebenszeit gekostet hat. Aber wie gesagt: Ich hätte diese Teilung nicht gebraucht. Schließlich wollte ich wissen, wie es weitergeht.

 Teil 2: Das Gefecht 

Nahtlos geht die Story weiter. Mittlerweile befindet man sich mitten im Spannungsbogen, der für die Hauptfiguren sowohl positiv als auch negativ ausgehen kann. Man weiß es nicht so wirklich und nachdem Geschichten wie „Game of Thrones“ mit extrem vielen Toten ja nun populär sind, weiß man auch nicht, wie viele Figuren es bis zum Ende des Buches schaffen.

Die Spannung steigert sich in Teil 2 eine ganze Weile, um sich dann in kriegerischen Szenen und militärischer Ausdrucksweise zu verlieren. Ich muss sagen, dass die Beschreibung des Gefechts teilweise seine Längen hat, weil diese militärische Ausdrucksweise und die teilweise minutiöse Schlachtbeschreibung leider etwas ermüdend sind. Das betrifft in erster Linie das allerletzte Viertel. Andererseits passt es zum Rest der Story und man kann einem Buch, das „Das Gefecht“ heißt, nicht wirklich zur Last legen, dass zu viel Krieg drin vorkommt. Es passt und ist glaubwürdig. Und es ist ein Debütroman. Da muss man auch ein bisschen drauf Rücksicht nehmen.

Die Geschichte aus The Rising ist in sich gut und schlüssig und spannend erzählt. Es gibt ein paar Wendungen, die man nicht vorhersieht und der eher gradlinigen Erzählung interessante Aspekte hinzufügen.

Der Epilog ist dann rasend schnell erzählt und befriedigt die offen gebliebenen Fragen des Lesers, lässt aber auch noch Spielraum für weitere Bücher (von denen ich ja nun schon weiß, dass es sie geben wird).  Das Ende ist vielleicht für einige Charaktere ein bisschen kitschig geraten, was aber auch an der zu oft unpassend kichernden weiblichen Hauptfigur liegen mag.

Insgesamt hatte ich kurzweiliges und spannendes Lesevergnügen, das mich – zugegebenermaßen – besonders fasziniert, weil ich den Autor kenne. Da macht das Lesen irgendwie noch mehr Spaß.

Kennt ihr das?

Unterschrift1

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