Yoga: On and off the mat

Wenn du in deiner Sequenz im Ashtanga-Yoga stecken bleibst, dann ist dein Körper nicht bereit für die nächste Asana. Was aber viel entscheidender ist: Dein Geist ist für die nächste Aufgabe nicht bereit.
Und die hat wahrscheinlich nichts mit Yoga zu tun. Sondern findet »off the mat« statt. Das hat meine Yoga-Lehrerin Katy mir schon oft gesagt, wenn ich mal nicht direkt weiterkam. Wenn ich mal nicht weiterkam, erstreckte sich aber bis jetzt nie über einen so langen Zeitraum.
 

Ein Jahr lang steckte ich fest. An Marichyasana D, einer Asana in meiner Yoga-Praxis, die für mich schon rein körperlich eine echte Herausforderung ist. Und als ich eines Morgens um kurz nach 6 auf dem Fahrrad saß und über meine Praxis nachgedachte, wurde mir klar: Ich stecke fest, weil meine Praxis eine Reflektion dessen ist, was in meinem Leben passiert. Oder eben nicht passiert.

Ich war an einem Punkt, an dem ich viel in Frage stellte. An dem mir vieles zu viel wurde, ich meinen Job nicht mehr mochte, meine Freunde nicht mehr sehen wollte und mir am liebsten jeden Tag die Decke über den Kopf ziehen und im Bett bleiben wollte. Ich steckte fest – on and off the mat.

Dann habe ich mich gefragt, woran das liegt. Warum überkam mich dieses Gefühl, obwohl ich eigentlich so viel Glück habe – einen Job mit gesellschaftlich relevanten Themen, einen wunderbaren Freundeskreis, eine starke Beziehung, viele schöne Hobbies, die ich gerne mache.

Meine Antwort: Mir fehlen sichtbare Ergebnisse. Denn ich will oft alles auf einmal. Und mache vieles gleichzeitig. Und deshalb kommt alles nur langsam voran.  Wenn ich dann aber sehe, was ich in diesem Jahr alles schon erreicht habe, dann sind meine Zweifel nicht berechtigt. Und das musste ich mir einfach mal ganz plakativ vor Augen führen.

Als ich erkannt hatte, was mein Problem war, wurde plötzlich vieles leichter: Ich wurde zum Yoga Teacher Training im nächsten Jahr zugelassen. Dann sagte Katy, es sei Zeit für die nächste Asana in meiner Ashtanga-Sequenz – nach über einem Jahr in Marichyasana D. Und irgendwie fühlte sich vieles wieder leichter an.

Vielleicht ging es nicht ums Feststecken. Sondern ums Vertrauen. Darauf, dass alles zur richtigen Zeit passiert. Nicht immer dann, wann man es möchte, und noch seltener dann, wenn man damit rechnet. Aber dann, wenn man bereit ist.

Ich bin bereit.

Veröffentlicht in: Sport | Schlagwort:

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