Home Training in Zeiten von #socialdistancing

In den letzten drei Tagen – also seit die Fitnessstudios, Crossfitboxen, Yoga Shalas you name it wussten, dass sie schließen müssen – habe ich häufiger in den sozialen Medien gelesen, man solle sich nicht so anstellen, es sei ja kein big deal, einfach mal zu Hause auf der Couch abzuhängen, Netflix & Chill FTW. Es sei kein Drama, dass der Sport ausfalle – vor allem in Anbetracht des big picture, vor allem im Vergleich mit dem Drama, das das wirklich draußen in der Welt abgeht. Und dass man doch bitte endlich mal sein Ego zurücknehmen, sein Leben entschleunigen und froh über die Möglichkeiten von Home Office & Co. sein sollte. Und bitte #staythefuckhome.

Ja und ja. Und trotzdem will ich dazu mehr sagen.

Covid-19 beeinträchtigt die Gesundheit unserer Schwächsten. Sie greift die Körper an, die sich nicht ausreichend wehren können. Social Distancing ist eine verständliche Maßnahme, um einerseits diejenigen zu schützen, die nicht mit uns anderen in Kontakt kommen sollen, damit eine potenzielle Ansteckung vermieden wird. Social Distancing ist sinnvoll, damit wir #flatteningthecurve und unser Gesundheitssystem gesund halten.

Ja und ja. But there`s more to it.

Neben all der körperlichen Gesundheit wird in der Diskussion um Corona und das social life aber vergessen, dass es Menschen mit mentalen Problemen gibt, deren Psyche und deren Seelen leiden – unter Isolation, unter Angst, unter Panikmache.

Es gibt viele Menschen mit mentalen Erkrankungen, die ihre Heilung, ihre Balance aus Aktivitäten mit anderen Menschen ziehen, im Sportverein, im Yogastudio oder beim gemeinsamen Verausgaben in der Crossfitbox. Diesen Menschen in Zeiten von Corona zu sagen, sie sollen sich mal nicht so anstellen, nur weil ihr Fitti zu hat, ist unfair. Es ist genauso unfair wie das Verteufeln der Rückzugsmaßnahmen von Introverts, die sich lieber zu Hause einigeln, als zu Massenveranstaltungen zu gehen, lieber Tee auf dem Sofa trinken als Festivals besuchen und lieber mit der Katze schmusen und Verabredungen absagen, wenn selbst der Gedanke an ein Glas Wein in einem halbvollen Restaurant zu viel wird.

Who are we to judge? Es steht niemandem zu, die Gefühle und Bedürfnisse eines anderen ins Lächerliche zu ziehen oder unwichtig zu machen – auch nicht angesichts einer globalen Krise. Denn diese Krise kann mentale Probleme triggern. Und deshalb bitte ich um noch (!) mehr Rücksicht.

Eben nicht nur für die Risikogruppen, die Alten, Kranken, Vorerkrankten, Schwachen, für die wir dieser Tage so viel Verständnis haben, die wir schützen wollen und für die einige von uns freiwillig einkaufen und sich um sie sorgen. Es muss neben all dem Verständnis für die Situation und dem Einhalten des Social Distancing eben auch Platz sein für die Gefühle, die diese Isolation hervorruft. Und wenn es denjenigen hilft, sich mit Home Workouts abzulenken und nicht 24/7 gedanklich mit der Ausbreitung eines Virus beschäftigt zu sein, dann sollten wir das genauso akzeptieren wie die Schließung von Einkaufszentren.

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