[Blogparade] Kleine Rituale

Ein Kuss bevor du gehst. Jeden Morgen. Das ist unser Ritual seit etwas mehr als fünf Jahren.

Ein Kuss, der nach Kaffee oder nach Orangensaft schmeckt – und manchmal auch nach Porridge. Ein Kuss, der zehn Stunden halten muss, der den Arbeitstag überbrückt, der mich im Hier und Jetzt verankert, wenn meine Träume noch zu real erscheinen und der Tag noch nicht von mir Besitz ergriffen hat.

Ein Kuss, der wichtiger ist als das „Gute Nacht“ am Abend. Man sagt ja, Paare sollten nie im Streit zu Bett gehen und sich immer eine gute Nacht wünschen. Wir verlassen nie im Streit das Haus und wir wünschen uns immer einen guten Tag. Denn den verbringen wir öfter getrennt als unsere Nächte – die sind also ohnehin gut, das müssen wir uns nicht wünschen.

Ein Kuss bevor du gehst. Jeden  Morgen. Falls es das letzte ist, was wir tun.

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Mein Fahrrad und ich – Intermezzo: Diamant

Ich muss dir etwas sagen. Ich habe jemanden kennengelernt. Er ist ein Geschenk. Er heißt Diamant und wir funkeln gegenseitig um die Wette – ich voller Freude, er dank Metallic-Optik. Den geräumigen Fahrradkorb gibt es geschenkt on top, weil meine Augen so groß sind und leuchten und weil sein Narben-Dynamo noch heller leuchtet, ohne dass ich mich abstrampeln muss. Ich bin hin und weg, während ich auf dem Hof des Händlers meine Runden mit ihm drehe – hin und her und hin und weg. Endlich ein Fahrrad in meiner Größe und mit all dem Luxus, den ich bisher nicht kannte. Ich bin vielleicht ein bisschen geblendet, aber auch auf den zweiten Blick ist es immer noch Liebe.  

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Mein Fahrrad und ich – Part 4: Rutschgefahr

Wir kennen uns schon eine Weile, einen Winter haben wir schon überstanden. Aber neuer Winter, neue Abenteuer und so machen wir zum ersten Mal die Erfahrung, der Straßenglätte nicht mehr Herr zu werden. Dabei ist gar nicht Donnerstag. Sondern Freitag. Dabei waren wir letzten Winter so ein gutes Team. Du hast mich sogar nach Hause gebracht, als ich gestürzt war und niemand mit Auto uns abholen wollte. Du warst tapfer, hast gesagt, wir kriegen das hin, und bist ganz langsam und behutsam mit mir nach Hause geradelt. Mein Fuß tut seitdem weh, wenn es schneit. Ich glaube, der erinnert sich, dass es im Winter passiert ist. 

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Mein Fahrrad und ich – Part 3: Kettenreaktion

Donnerstags scheint nicht so dein Tag zu sein. Denn es ist wieder ein Donnerstag, als wir quietschfidel über die holprigen Straßen der Weststadt hüpfen, und plötzlich deine Kette raushüpft. Ich hüpfe gerade noch rechtzeitig vom Rad, bevor es dich mit verhedderten Kettengliedern zu Boden reißt. Natürlich sind wir auf der falschen Seite der Viktoriabrücke und mir kommt der Verdacht, du entwickelst Vermeidungstaktiken, um nicht die Brücke hochächzen zu müssen.  

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Mein Fahrrad und ich – Part 2.1: Sankt Martin oder die Geschichte mit dem Mantel

Ich frage mich, was ich gestern gesagt habe. Vielleicht habe ich dich Schrotthaufen geschimpft. Gedacht habe ich das schon öfter, aber ob ich es laut gesagt habe? Jedenfalls nimmst du dir wacker ein Beispiel am heiligen Martin und teilst deinen Mantel. Nicht mit mir, du teilst ihn einfach. Weil du´s kannst, schätze ich, weil das das ist, was die cool kids immer sagen, wenn sie irrationale Dinge tun.   

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