[*.txt] Ohne Schwimmflügel

„Ich trage Schwimmflügel.“ 

Du bist ein Wolkenweber, denke ich. Malst schattenspendende Wolkentürme in Frühlingstage, hinter denen es dunkel wird und die ich nicht sehen will. Im Schatten ist es noch kalt und du malst dir einen reinigenden Sturm aus, der nicht eintritt, und trübst meinen Tag unter einem sich immer weiter auftürmenden Gedankenkonstrukt watteweicher Entschuldigungen und zuckerwatteklebriger Ausreden und wattewolkenweißer Vorsätze. 

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[*.txt] Wer mit Eifer sucht

Du hast Herbst im Kopf. Goldenes Licht flutet deine Augen und ich kann nicht hinsehen, denn es blendet bis ich die Tränen wegblinzeln muss. Du bist Oktober, ich bin November, in meinem Gesicht herrscht Regenwetter. Der Herbst hat kein Blätterdach, das vor Schauern schützt. Die Pfützen sind direkt knietief und spiegeln meinen wolkenverhangenen Kopf, grau in grau, während bei dir noch buntes Laub durch leere Blicke weht. 

Bild: InDetail

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[*.txt] Polaroid

Der Sommer ist vorbei. Zumindest da, wo wir wohnen. Aber das zählt hier nicht, hier geht die Sonne immer etwas früher unter, 30 Grad sind es trotzdem. Und wir genießen die Auszeit, die unser Budget zulässt. Ich glaub, der Typ im Reisebüro dachte, wir wären lesbisch.  

Das Meer berührt unsere Füße und wir kichern. All Inklusive tut uns nicht gut. Die Bar macht schon vor dem Mittagessen auf und versorgt und mit fast allem, was das Herz mit falschen Hoffnungen füllt. Ich würde jetzt gern sagen, das hab ich ja geahnt. Aber du würdest das nur spießig finden.  

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[*.txt] Wunschkonzert

Wir sind jung und haben das Geld. Wir fahren raus, ins Nachbarland, da gibt’s keine Berge. Und wir können alles sehen, was da kommt, und alles ist klar. Da wartet das Meer und mit zarten Schäfchen-Wolken-Wimpernschlägen erwacht der Sommer. Es klingt nach leichter Brise und ich habe eine Gänsehaut. Unser Lachen übertönt den Sonnenaufgang. Es klingt nach Spaß und ich möchte gar nicht so schnell erwachsen werden. Und das Klirren der Bierflaschen, die hinter dem Zelt ins nasse Gras kippen, übertönt unser Lachen. Es klingt fast wie Musik. Du summst irgendwas. Das machst du immer, wenn du glücklich bist. Es gibt da diese eine Melodie. Die kommt immer wieder. Ich nenne sie heimlich „unser Lied“. Aber wenn man dich fragt, weißt du von nichts.

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[*.txt] Entscheidungen

Es ist Nacht und die Straßenlaternen leuchten. Der Asphalt ist noch feucht vom Regen und meine Beine wackelig vom vielen Tanzen. Ich tue so, als wäre ich betrunken, und taumele eine weiße Straßenmarkierung entlang. Ich kann noch gerade gehen. Doch meine Gedanken torkeln. Irgendwo zwischen „mein Leben ist so wundervoll und ich brauche nichts außer meinen Freunden in lauen Nächten auf glitzernd-nassen Straßen“ und „was mache ich hier eigentlich und wann habe ich jemals daran geglaubt, dass erwachsen werden nicht weh tut“.

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